Weinschenke im Fuhrmannhaus1140 Wien, Linzer Strasse 404 - Telefon + Fax: 0043 - (0)1 - 9142397 Mobil: 0043 (0)664 6429939 |
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Geschichte des Fuhrmannhauses in HütteldorfEs ist das älteste im Westen von Wien noch erhaltene Haus und so wie es sich jetzt zeigt über 300 Jahre alt. Uns gilt dafür als Beweis das Stiegengeländer aus dem Jahre 1687 welches als Abschluss des Wiederaufbaues nach dem Türkenkrieg 1683 gilt, es befindet sich im Stiegenhaus vor dem Freskensaal. Außerdem stieß man auf Grund von Vermessungen auf das Ausmaß eines römischen Wachturmes. Seit dem 12. Jahrhunderts entstanden im Wienerwald viele kleine Sitze "Feste Häuser" welche Edelleuten zum ständigen Aufenthalt dienten und bei Gefahr auch den Dorfbewohnern Schutz boten. Sie hatten grundherrliche Rechte, waren mit dem Dorfgericht verbunden, standen meist an mittelalterlichen Hauptverkehrswegen und Furten. Das Fuhrmannhaus stand zu dieser Zeit sowohl am Ortsbeginn als auch an der Furt des Rosenbaches (auch Dehnebach genannt, der heute eingewölbt unter der Rosentalgasse - das frühere Lindengassel - rinnt) als auch an der Poststraße (heutige Linzer Straße) eine wichtige Verkehrsverbindung nach Linz und weiter in den Westen. Nur wenige vorhandene Mittelalterliche Urkunden geben uns spärliche Auskunft über die Besitzverhältnisse in Hütteldorf. Erst ab 1571 existiert eine fast lückenlose Aufzeichnung der Besitzer des Hauses und bis zum 18. Jahrhundert beziehen sich die Angeben des Grundbuches immer auf die drei Parzellen welche zusammen dem Ausmaß des heutigen Grundstückes entsprechen. Im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts traten mehrere Ereignisse ein, die für das Schicksal des Hauses von weitreichender Bedeutung waren. 1676 gelangte das Haus in den Besitz von Dr. Georg Schierl, einem "Licentiad und Geschworenen Landadvokaten zu Böhmen" Vom 18. Juni 1680 ist ein Kaufbrief erhalten, in dem Dr. Schierl dem Kolleg St. Michael das "zu Hütteldorf gelegene Haus samt alle An- und Zugehörungen, wie auch alle zu der Zeit im Haus und Keller befindente Mobilien, außer des derzeit im Keller befinderen Weins" verkauft und zwar zu "1500 Gulden Kaufschilling und 100 Gulden Leihkauf". Den Bewohnern von Hütteldorf wurde durch die günstige Bodenbeschaffenheit der Weinbau ermöglicht und mit dem Waldreichtum die wirtschaftliche Basis geboten. Jedoch erst 1682 scheint das Collegium St. Michael der Barnabiten im Grundbuch als Gewährnehmer auf. 1681 nennt das Grundbuch auch Hans Schmidt "Richter zu Hütteldorf" und seine Ehefrau Rosina. 1681 - 1790 bleiben dann alle Häuser (Linzer Strasse 404, 406 und Rosentalgasse 1) im Eigentum der Barnabiten. In dieser Zeit erreichte der Gebäudekomplex seine endgültige, heute noch bestehende Form. Im Grundbuch steht auch jetzt noch von "drei zusammengebauten Häusern". Ein ungeklärtes Problem ist die Jahreszahl auf dem schmiedeeisernen Gitters im Stiegenhaus des Saaltraktes, da die Zahl (1681 oder 1687) nicht eindeutig entzifferbar ist. Einige Anhaltspunkte zur Erhellung der Zeit nach 1860 geben das Grundbuch und die allgemeine Geschichte. Um 1680 übernahmen die Barnabiten die Häuser, erweiterten sie und beendeten die Bautätigkeit, 1687 nach dem überstandenen Türkenkrieg von 1683 durch den auch dieser Gebäudekomplex sehr stark gelitten hat. Das Gitter trägt die Jahreszahl 1687 mit dem Türkenkopf als Erinnerung. Andererseits scheint auch der Richter Hans Schmidt im Jahre 1681 im Grundbuch auf. Dazu ist zu bemerken, dass nach dem Jahre 1680 die "Neueinrichtungen des NÖ Waldamtes im kaiserlichen Wienerwald" fiel. Im Zuge der merkantilen Wirtschaftspolitik wurde nun auch der als bisheriges "landfürstliche Banngebiet" weitgehend geschonte Wienerwald zur gesteigerten Holzaufbringung herangezogen. Im Juni 1681 wurden die kaiserlichen Verfügungen zur Neuregelung der Verwaltung in Kraft gesetzt. So wurde in Hütteldorf ein neues Waldamt eingerichtet und ein Waldmeister eingesetzt. Das würde bedeuten, dass die Jahreszahl auf dem Gitter neben dem Saal Richtersaal 1681 bedeutet. Die Barnabiten betrieben hier einen Wirtschaftshof mit zahlreichem Personal. Es gab auch eine Kapelle mit zwei Altären auf dem Areal, aber den genauen Standort konnte man bis heute nicht feststellen. Er diente auch den Klosterangehörigen als Sommersitz. Am 9. September 1755 erhielt er hohen Besuch: P. Don Pius Manzador, Diplomat und Ordensmann kehrte von einer Inspektionsreise, die er im Auftrag der Kaiserin Maria Theresia unternommen hatte, von Oberösterreich zurück. Um sich von den Strapazen der Reise - sie dauerte 44 Tage bei schlechter Witterung - zu erholen, weilte er einige Tage hier. Um 1778 brach ein Brand aus, der beträchtlichen Schaden anrichtete. Um den Wiederaufbau zu bewerkstelligen wurde ein Gesuch am 17. Februar 1779 an die Ministerial Banco Hofdepudation gerichtet um die Erlaubnis 100 Baumstämme fällen zu dürfen. Ebenso wurde ersucht, ihnen auch anderes Baumaterial unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Dieses Ansuchen wurde am 4.März 1779 bewilligt und an das Waldamt weitergeleitet. Am 20. März 1781 wurde von der Direktion des Waldamtes festgestellt, dass für das zusätzliche Baumaterial von St. Michael 165 fl. Kr. zu bezahlen sind. Die Summe wurde dann auf 77 fl. 54 Kr. ermäßigt. Sie betraf hauptsächlich Fuhr- und Arbeitslöhne. Aber die Barnabiten dürften damit nicht ganz zufrieden gewesen sein, denn sie erklärten es sei nicht berücksichtigt worden, dass an die Waldarbeiter und Fuhrleute auch 8 Eimer und 19 Maß Wein ausgegeben worden sind. Das Waldamt erklärte dies zur freiwilligen Ausgabe des Kollegs St. Michael. Im Übrigen seien das "Gegenstände, deren Untersuchung außer der Sphäre des Amtes" lägen. Damit war die Angelegenheit für das Waldamt erledigt. Wohl waren die Brandschäden behoben, aber an ihre Stelle traten andere Probleme: Die Arbeit am Wirtschaftshof verrichteten zum größten Teil Laienbrüder. In Folge der durch den Josephinismus hervorgerufenen Zeiterscheinungen hatte die Institution der Laienbrüder Nachwuchsmangel. Am 28. März 1784 legte zum letzten mal ein Laienbruder bei den Barnabiten sein Profeß ab. Auch bei den Priestern gab es Schwierigkeiten. Ihre Zahl verringerte sich durch Austritte. Der Aufsehenerregendste war der des hochtalentierten P. Don Pius Reinhold, 1783 flüchtete er nach Leipzig, trat zum evangelischen Glauben über und heiratete in Weimar die Tochter des Dichters Wieland. In Hiel wurde er Professor der kantianischen Philosophie und verhalf dieser zum weltweiten Durchbruch. Das geschah zu der Zeit, wo die Barnabiten rein äußerlich in gutem Ansehen standen. Mariahilf baute 1768/69 ein neues Kolleg um 84.821 fl., St. Michael errichtete 1781 den neuen Hochaltar mit dem gewaltigen Engelsturz um den Preis von 47.015 fl. - dazu musste man sich noch 22.000 fl. ausborgen. Durch Verkauf von Kunstwerken und Grundstücken sowie des an der Mariahilfer Straße gelegenen älteren Teils des Kollegs an den pharmazeuten Eisenkohl, sowie aus Eigenmitteln konnte die Bauschuld teilweise beglichen werden. Über 100 Jahre sorgte der Wirtschaftshof für das leibliche Wohl der Kollegien St. Michael und Mariahilf. Als Sommerhaus und Ort der Ruhe bot es den Mitgliedern eine willkommene Raststätte nach den Strapazen einer längeren Reise. Ortgeschichtlich von Bedeutung war die Rückkehr der Barnabiten nach Hütteldorf nach dem Abzug der Türken 1683 von Wien. Sie waren die ersten und einzigen die mit dem Wiederaufbau sofort begannen und so den Auftakt zur Wiederbelebung von Hütteldorf gaben, dem neuen Ansiedler mutig folgten. Der Nachwuchsmangel einerseits, sowie die Last der Hohen Bauschulden andererseits bewog das Kolleg St. Michael alle entbehrlichen Immobilien abzustoßen. Daher wurde 1787 an das k.k. Waldamt der Antrag um Schätzung des Hauses Nr. 70 zu Hütteldorf gestellt. Über den Weg einer Versteigerung trachteten die Barnabiten Ihren Besitz abzugeben. Über einen Aufruf wurden kauflustige aufgefordert den Wirtschaftshof in Hütteldorf zu besichtigen. Die Versteigerung selbst war auf den 26. Juni 1787 um 9 Uhr festgesetzt. Das Flugblatt zu r Verlautbarung trug den Titel "Nachricht" und wurde vom k.k. Waldamt in Purkersdorf bekannt gemacht. Die "Nachricht" ist für das heutige Fuhrmannhaus insofern von Bedeutung, als sie Einblick gibt in die ursprüngliche Verwendung der einzelnen Räumlichkeiten. Die Lage de3s Hauses Nr. 70 wird neben dem Lindengassel (heutige Rosentalgasse) wie folgt beschrieben: "Im 1. Stock 8 Winter und 7 Sommerzimmer, 2 Kammern, dann 2 mit Stein gepflasterten Communikationgängen, alles stokadort, zu ebener Erde ein Salettl, Ein Billardzimmer, eine Kapelle, ein Zimmer, zwei Kammern, eine große und eine kleine Küche, eine Speise, Pferdestallung auf 8 Stück, ein Kuhstall auf 4 Stück, alles gewölbt, ein gepflasterter Hof und zwei Keller, dann 13 Klafter 5 Schuh lang und 3 Klafter 3 zweidrittel Schuh breite Salaterena, stokadort mit offenen Bögen, gegen den Garten mit einem Einfahrtstor von der Straße, nebst einem mit verschiedenen guten Obstbäumen besetzten, 700 Quadratklafter haltenden Hausgarten befindlich durch den Weg der Versteigerung gegen bare Bezahlung käuflich hindangegeben werden". Das Anwesen sowie 3 7/8 Joch Wiesen und ein Wiesenrand in der Nähe des Hauses ersteigerte der Bestandbräumeister in Hütteldorf, Johann Michael Eimmer (Eymmer). Am 6. September 1788 wurde dann der Kaufvertrag zwischen dem Vertreter des Kollegs St. Michael, Probst P. Don Nicolaus Spenger und Johann Michael Eimmer in Gegenwart mehrerer Zeugen unterzeichnet. Der Kaufpreis betrug 5.815.fl, davon wurden 3.000 fl. sofort und der Rest mit Zinsen 1790 ausbezahlt. 1808 kam durch Versteigerung das Haus in den Besitz von Franz Winkler, einem bürgerlichen Eisenhändler aus Wien. 1811 kaufte Friedrich Graf von Schwarzenberg das Haus. Danach gab es noch einige Besitzer. 1840 erwarben unsere Vorfahren Franz und Barbara Fuhrmann das Haus, es verblieb seither in Familienbesitz. Ein großer Fuhrwerksbetrieb sicherte den Bestand des Hauses über Jahrzehnte. Wie 1851 im Verzeichnis der Gesellschafts- und Stellwagen erwähnt, fuhr regelmäßig ein von meinen Vorfahren betriebener Stellwagen täglich von hier in die Stadt und wieder retour. Es wurden große Pferdestallungen eingerichtet und die Einfahrtstore hofseitig durch herablaßbare Gitter gesichert, damit die Fohlen und das Geflügel nicht auf die Straße konnten. Die Gleitstangen und Seilräder sind teilweise noch erhalten. Der Trakt Linzer Straße 404 beherbergte längere Zeit die Gemeindestube Hütteldorf, welche den ganzen ebenerdigen Teil westlich des Hautores benützte. Nach Fertigstellung des neuen Gemeindehauses im dritten Viertel des 19. Jahrhunderts erfolgte die Übersiedlung. Nach dem ersten Weltkrieg erfolgte allerdings langsam der Niedergang des Gebäudekomplexes. Die wirtschaftlichen Umstände der Zwischenkriegszeit und die Umstellungen im Fuhrwerksgewerbe vom Pferde- zum Autobetrieb sowie durch erbliche Folgen entzogen dem Haus die Basis vor allem für die notwendigen Verbesserungen der Wohnverhältnisse. Es wohnten und arbeiteten noch nach dem zweiten Weltkrieg über hundert Personen im Haus für die es zwei Bassenas und zwei WC (ohne Wasserspülung) in den Höfen gab. Erst als mein Gatte und ich durch Kauf die Mehrheitseigentümer wurde konnten wir an eine Renovierung und Revitalisierung, soweit es uns mit unseren finanziellen Mitteln möglich war und ist, denken. Ich glaube jedoch, dass es uns mit den Bauernmärkten, der Weinschenke und en verschiedenen kulturellen Veranstaltungen des Kulturvereins schöneres Penzing sowohl im restaurierten Saal als auch im Hof, die Wiederbelebung des Hauses gut gelungen ist.Hertha Dopplinger, geb. Fuhrmann |